2. Keine Kritik, keine negativen Bemerkungen, kein Spott
über Samoa, über samoanische Worte, Sitten,
Bräuche, Familien, Namen und schon gar nicht über Religion. Überhaupt
gehört es zum guten Ton, im-
mer freundlich, höflich und nett zu sein. Deftige Späße kommen
absolut nicht an, und aus der samoni-
schen Grußformel Talofa nun "dat Sofa"
zu machen, wird absolut nicht als Gag eingestuft. Mit seinen
Gastgebern auszudiskutieren, ob die Wortwurzel des Landeswährung Tala
im wilhelminischen Taler zu
suchen ist, wäre ebenso müßig, wie einem Spanier seine Liebe
zum Stierkampf ausreden zu wollen.
In Samoa macht man keine Witze über Samoa und Samoanisches. Über sich selbst
darf man aber gerne
Witze machen, das gilt als durchaus ehrenhaft.
3. Respektieren Sie Kleidungsregeln und die Sonntagsruhe. Ordentliche Kleidung
ist sehr wichtig. Die
weißen Ausländer werden nach neuseeländischen Maßstäben beurteilt,
nicht nach samoanischem.
Wenn also samoanische Männer mit freiem Oberkörper und Tuch um die Hüften
in der Stadt herumlau-
fen, dann ist das durchaus okay – beim Ausländer erwartet man ein relativ
gepflegtes Auftreten.
Samoa, das ist eine andere Lebensart, eine völlig fremde Welt – begegnen
Sie ihr mit Respekt, und Sie
werden im Gegenzug viel Anerkennung und Respekt ernten...
Frauen und Männer...
... haben in Samoa "eigene" Welten, mit eigenen Rechten und Pflichten.
Der zwanglose alltägliche Umgang der Geschlechter, wie wir ihn kennen, ist
Samoanern eher fremd.
Selbst wenn Sie als Mann mit einer Samoanerin ausgehen, wird sie sich sofort
ihren Freundinnen zu-
wenden, die es überall gibt (Samoa ist ein sehr kleines Land) und davon ausgehen,
dass Sie die Ge-
sellschaft anderer weißer Männer Ihres Alter suchen (und sicherlich auch finden
werden).
Auch der Austausch von Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit ist nicht üblich,
selbst Händchenhalten ist
unschicklich. Vergessen Sie am besten alles, was Sie bisher über Südsee-Schönheiten
und paradie-
sische Zustände gehört oder gelesen haben. Samoa ist ein ausgesprochen
prüdes Land, etwa wie
Deutschland in den 50er Jahren. Wirklich - der staatliche Zensor wacht
darüber, daß jeder Kuss im
Fernsehen sofort ausgeblendet wird – von mehr gar nicht zu reden.
Ab und zu werden Sie aber vielleicht doch atemberaubenden Schönheiten in aufreizender
und knappster
Bekleidung begegnen. Prostituierte...? Aber nicht doch! Diese Damen dürfen
sich im sittenstrengen Sa-
moa nicht knapp bekleiden, denn es sind keine Fafafine, übersetzt "wäre-gern-Frau".
Dieses Recht ist
den Transvestiten vorbehalten, die in Samoa zwar gelegentlich belächelt, niemals
aber angefeindet oder
ausgegrenzt werden. Man begegnet den 'Damen' am Bankschalter, in der Modebranche,
aber oft auch
in Büros, wo sie als Rechtsanwältinnen und im Steuerwesen ihren Job erledigen.
Bei den ersten Be-
gegnungen löst das beim Samoa-Besucher meist etwas Befremden aus. Am
besten, man toleriert es
ohne Stirnrunzeln, nimmt an, die netten Wesen seien tatsächlich Frauen
und akzeptiert auch deren weib-
lichen Vornamen.