Jahrhundert-Dürre in Australien 
05.12.2006
Australien erlebt die schlimmste Dürreperiode seiner Geschichte: Seit fünf Jahren hat es in riesigen Gebieten nicht mehr geregnet.

"Was wir hier sehen, ist ein furchteinflößender Blick in eine Zukunft mit globaler Erwärmung", warnte Mike Rann, Regierungschef des Bundesstaats Südaustralien. Prognosen sprechen davon, dass im Jahr 2030 der Südosten und Südwesten Australiens (die großen Landwirtschaftszonen) wahr-scheinlich trockener sein werden als heute, während in einigen Gebieten Zentral- und Nordwestaustraliens, wo sich heute Steppe oder Wüste ausbreitet, tendenziell eine Zunahme der Regenfälle zu erwarten sei.

Im Becken der tausende Kilometer langen Flüsse Murray und Darling hat es im Winter viel zu wenig geregnet, so dass der Wasserstand sich derzeit auf einem noch nie dagewesenen Niedrigstand befindet. Das Flusssystem versorgt etwa 15 Prozent Australiens mit Wasser, eine Fläche ungefähr so groß wie Frankreich und Spanien zusammen. In der betroffenen Region werden 41 Prozent der australischen Agrargüter produziert. Durch Bewässe-rung sind enorme Gebiete fruchtbar geworden. Umweltschutzgruppen warnten, den Städten entlang der Flüsse könne das Wasser ausgehen, sollte die Dürre noch ein weiteres Jahr anhalten. Die Flüsse in der "Kornkammer" Australiens führen 54 Prozent Wasser weniger als im vergangenen Jahr.

In vielen australischen Städten wird Wasser rationiert. Langes und ausgiebiges Duschen gilt da schon als unerreichbarer Luxus. Experten warnen auch vor einer Schlangenplage. Die Trockenheit führe dazu, dass Nahrung für die vielen giftigen Schlangenarten des Landes knapper werde, erklärte Rex Neindorf vom Reptilien-Zentrum im Bundesstaat Northern Territory. Die Reptilien würden daher aktiver nach Futter suchen und damit auch häufiger in von Menschen bewohnte Gebiete vordringen.

Am schlimmsten betroffen sind jedoch die Bauern, die jetzt schon seit Jahren unter Ernteausfällen leiden. Notschlachtungen von Vieh sind an der Tagesordnung und die Fleischpreise auf einem Rekordtief. Viele der Bauern stehen vor echten Existenzproblemen, einige haben ihr Land und ihre Höfe, oft schon seit Generationen in Familienhand, bereits verkauft. Die schlechte Lage und Existenzängste haben ihre Folgen: Die Selbstmordrate unter den Bauern ist doppelt so hoch wie im australischen Durchschnitt.

In Regierungskreisen wird über die Zuerkennung von Dürre-Subventionen für die Landwirtschaft diskutiert. Obwohl es in Australien wohl kaum jemanden gibt, der nicht mit den Bauern fühlt, stoßen die Subventionspläne jedoch auch auf Kritik: Die «Australian Financial Review» schrieb in einem Kommentar, wenn Industriearbeiter von der Auslagerung ihrer Jobs nach China oder Indien betroffen seien, bekämen sie zu hören, sie müssten die Realität strukturellen Wandels akzeptieren. Wo läge da der Unterschied zum Landwirtschaftssektor, für den der Klimawandel ebenfalls einen Grund für einen Strukturwandel darstelle? Zu einer Zeit, in welcher in den großen Städten das Wasser rationiert sei und die Flüsse austrockneten, sollte man sich in Erinnerung rufen, dass die Landwirtschaft 3% des BIP Australiens und ca. 20% der Exporte stelle, aber 70% des verfügbaren Wassers verschlinge.

Die Dürre bedroht den seit zehn Jahren andauernden Wirtschaftsboom im Land. Nach Behördenangaben werden Einbußen bei Agrarprodukten um bis zu zwanzig Prozent und ein um rund 0,7 Prozent vermindertes Bruttoinlands-produkt erwartet. – Autor Antje
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